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Impfungen, Reiseapotheke und Tierarzt im Ausland

Rechtlich vorgeschrieben ist für Auslandsreisen allein die Tollwutimpfung. Fachlich führt die Ständige Impfkommission sie in Deutschland als Wahlimpfung — die Reisepflicht besteht davon unabhängig fort.

Geprüft am 20.09.2026 · nächste Prüfung 01.04.2027

Hund bei einer ruhigen tierärztlichen Untersuchung KI-Bild

Eine einzige Impfung ist für die Reise vorgeschrieben. Ausgerechnet dieselbe gilt in Deutschland fachlich als Wahlimpfung. Dieser Widerspruch ist kein Fehler, und er lohnt eine Erklärung.

Tollwut: rechtlich Pflicht, fachlich Wahl

Die Impfleitlinie der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin hält fest: „Eine Impfung gegen Tollwut gilt nur noch als Non-Core-Vakzinierung, da die terrestrische Tollwut in Deutschland getilgt ist.”

Für einen Hund, der sein Leben in Bayern verbringt, ist die Impfung medizinisch also nicht zwingend. Sobald er aber eine Grenze überquert, ist sie es: „Hunde, Katzen und Frettchen [dürfen] auf grenzüberschreitende Reisen nur mitgenommen werden, wenn sie gemäß Herstellerangabe ab einem Alter von 12 Wochen gegen Tollwut geimpft sind.”

Zwei verschiedene Logiken. Die eine fragt, ob dein Hund gefährdet ist. Die andere sorgt dafür, dass Europa tollwutfrei bleibt.

Praktisch heißt das: Wer auch nur die Möglichkeit einer Auslandsreise sieht, lässt impfen — und achtet darauf, die Auffrischung vor Ablauf der alten Impfung zu setzen. Reißt der Schutz ab, gilt die nächste Impfung als Erstimpfung, mit 21 Tagen Wartezeit. Das steht ausführlicher unter Einreisebestimmungen in der EU.

Was jeder Hund haben sollte

Die Impfleitlinie führt für Hunde drei Kernimpfungen: Parvovirose, Staupe und Leptospirose. Die gelten unabhängig von Reiseplänen.

Leptospirose ist dabei die, die am ehesten vergessen wird, weil sie jährlich aufgefrischt werden muss: „Die Impfung ist jährlich zu wiederholen.” Eine reisespezifische Besonderheit hat sie nicht — Leptospiren kommen in Deutschland genauso vor wie am Gardasee. Aber ein Hund, der im Urlaub in Pfützen und stehenden Gewässern badet, hat mehr Gelegenheiten.

Alles Weitere — Zwingerhusten, Borreliose, Herpes — ist Wahlimpfung und hängt davon ab, wie dein Hund lebt und wohin ihr fahrt.

Ein Hinweis zum Zeitplan, den der Deutsche Tierschutzbund gibt und der zu unserer Checkliste passt: mindestens drei Monate vor Reiseantritt zum Tierarzt. Das klingt viel und ist es nicht, sobald eine Grundimmunisierung oder ein Antikörpertest dazukommt.

Die Reiseapotheke

Der Grundstock ist unspektakulär und genau deshalb brauchbar:

Verbandszeug — sterile Kompressen, Verbandswatte, selbstklebende Binden, Klebeband, Schere und Pinzette. Ein Wundspray zur Desinfektion. Wund- und Heilsalbe. Sterile Kochsalzlösung, um Wunden zu reinigen oder einen Fremdkörper aus dem Auge zu spülen. Ein Thermometer. Eine Zeckenzange.

Die Kochsalzlösung ist der Gegenstand, an den niemand denkt und der am häufigsten gebraucht wird — Sand im Auge, Salzwasser in einer Schürfwunde, eine Granne zwischen den Zehen.

Dazu kommen, und zwar ausschließlich nach Absprache mit deinem Tierarzt: die Dauermedikation in ausreichender Menge, etwas gegen Erbrechen und Durchfall, gegebenenfalls etwas gegen Reiseübelkeit, der Parasitenschutz.

Der Deutsche Tierschutzbund nennt außerdem Selbstverständliches, das trotzdem liegenbleibt: eine Wasserflasche für unterwegs, Bürste oder Kamm.

Warum die eigene Hausapotheke tabu ist

Es gibt einen Grund, warum Tierärzte an dieser Stelle deutlich werden. Schmerzmittel für Menschen sind für Hunde nicht einfach zu hoch dosiert — sie wirken anders.

Paracetamol wird beim Hund über Wege abgebaut, die schnell überlastet sind. Dabei entsteht ein Zwischenprodukt, das die Leberzellen zerstört. Beim Hund steht die Leberzellnekrose im Vordergrund; das MSD Veterinary Manual hält fest: „Icterus, hepatotoxicosis, and necrosis are more common with acetaminophen toxicosis in dogs than in cats.” Erste Zeichen zeigen sich innerhalb von ein bis vier Stunden.

Ibuprofen und Acetylsalicylsäure hemmen Enzyme, die beim Hund die Magenschleimhaut und die Nierendurchblutung schützen. Die Folge sind Magengeschwüre und im schlimmeren Fall Nierenversagen. Eine im Handbuch zitierte Untersuchung ist deutlich: „Regular aspirin […] resulted in mucosal erosions in 50 % of treated dogs after 2 days.” Nach zwei Tagen, bei der Hälfte der Tiere.

Wer einem Hund mit Schmerzen helfen will, ruft den Tierarzt an. Auch nachts, auch im Urlaub.

Tierarzt im Ausland

Die Vorbereitung dafür dauert zehn Minuten und gehört vor die Abreise.

Such die nächstgelegene Klinik mit Nacht- und Wochenenddienst heraus. Speichere Adresse und Telefonnummer offline — im Ernstfall ist oft kein Netz, kein Roaming oder kein Akku für eine Suche. Schreib beides zusätzlich auf einen Zettel ins Handschuhfach.

Ins Gepäck gehört: der Heimtierausweis mit Chipnummer und Impfhistorie, eine Liste der Dauermedikamente mit Wirkstoffnamen, und die Nummer deines Tierarztes zu Hause. Handelsnamen unterscheiden sich von Land zu Land; der Wirkstoff ist überall derselbe.

Zur Versicherung: Prüf vor der Reise, ob Auslandsbehandlungen abgedeckt sind, ob du in Vorleistung gehen musst und bis zu welcher Summe. Und halte eine Kreditkarte mit ausreichendem Rahmen bereit. Eine Notoperation in Italien kostet vierstellig, und kaum eine Klinik rechnet direkt mit einem deutschen Versicherer ab.

Wann sofort behandelt werden muss

Es gibt Zeichen, bei denen man nicht abwartet, ob es sich über Nacht gibt: Atemnot, andauerndes Erbrechen, blutiger Durchfall, ein aufgetriebener Bauch mit erfolglosem Würgen, Krampfanfälle, Bewusstseinstrübung, blasse oder bläuliche Schleimhäute, starke Schmerzen, Verdacht auf Hitzschlag.

Was bei Hitzschlag zu tun ist, steht unter Autofahrt und Hitze. Was am Mittelmeer an Vorsorge dazukommt, unter Mittelmeerkrankheiten und Parasitenschutz.

Geordnete Reiseapotheke für Hunde auf einem Tisch KI-Bild

Häufige Fragen

Welche Impfung ist gesetzlich vorgeschrieben?

Für grenzüberschreitende Reisen die Tollwutimpfung. Die Impfleitlinie formuliert es so: Hunde, Katzen und Frettchen dürfen auf grenzüberschreitende Reisen nur mitgenommen werden, wenn sie gemäß Herstellerangabe ab einem Alter von zwölf Wochen gegen Tollwut geimpft sind. In Deutschland selbst gibt es keine allgemeine Impfpflicht.

Welche weiteren Impfungen können sinnvoll sein?

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin führt für Hunde Parvovirose, Staupe und Leptospirose als Kernimpfungen — die sollte jeder Hund haben, unabhängig von Reiseplänen. Alles Weitere richtet sich nach Lebensumständen und Reiseziel.

Was gehört in die Reiseapotheke?

Verbandszeug mit sterilen Kompressen, Binden, Schere und Pinzette, ein Wunddesinfektionsmittel, Wund- und Heilsalbe, sterile Kochsalzlösung zum Ausspülen von Wunden und Augen, Thermometer und Zeckenzange. Medikamente nur nach Absprache mit dem Tierarzt.

Darf ich Humanmedikamente geben?

Nein, nicht ohne tierärztliche Anweisung. Paracetamol führt beim Hund zur Leberzellnekrose. Ibuprofen und Acetylsalicylsäure verursachen Magengeschwüre und können Nierenversagen auslösen — in einer Untersuchung zeigten 50 Prozent der mit Aspirin behandelten Hunde nach zwei Tagen Schleimhauterosionen.

Was braucht ein Tierarzt im Ausland?

Den EU-Heimtierausweis mit Chipnummer und Impfhistorie, die Liste der Dauermedikamente mit Wirkstoffnamen — nicht nur Handelsnamen, die im Ausland anders heißen — und die Kontaktdaten deines Tierarztes zu Hause.

Übernimmt eine Versicherung die Behandlung?

Das hängt vom Vertrag ab. Prüfe vor der Reise, ob Auslandsbehandlungen eingeschlossen sind, ob es eine Vorleistungspflicht gibt und bis zu welcher Summe. Und leg eine Zahlungsmöglichkeit bereit: Viele Kliniken im Ausland rechnen nicht direkt mit deutschen Versicherern ab.

Quellen

Einreise- und Gesundheitsregeln ändern sich kurzfristig. Maßgeblich ist immer die zum Reisezeitpunkt geltende Fassung der genannten Primärquelle.

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